Greg Rucka: Guardians of the Whills

20170419gotwInhaltlicher Abriss

Wie der Titel bereits nahelegt, behandelt dieser Roman die mit Rogue One eingeführten Wächter der Whills – namentlich Baze Malbus und Chirrut Îmwe. Das Republik ist längst gefallen, die Jedi quasi aus der Galaxis verschwunden und das Imperium hat Jedha in seine Fänge gebracht. Immer weniger Pilger besuchen den Planeten und den darauf befindlichen Tempel in der Heiligen Stadt, die Bevölkerung verwahrlost und verarmt. Baze und Chirrut tun, was sie können, um Jedha und seinen Einwohnern zu helfen – und als ein Mann namens Saw Gerrera ankommt, scheint dies die perfekte Gelegenheit zu einem Schlag gegen das Imperium zu sein.

Zeitliches und Strukturelles

Wer sich einen Roman für junge Leser erhofft, der die Vergangenheit der Wächter der Whills bis in die Zeit der alte Republik verfolgt und dem Leser somit einen Längsschnitt der Biografie von Chirrut und Baze bietet, wird von diesem Buch enttäuscht werden. Wer sich noch mehr erhofft hat – beispielsweise eine noch weiter als Baze und Chirrut zurückführende Behandlung der Wächter der Whills – wird womöglich sogar bitter enttäuscht werden. Zwar gibt es im Verlauf des Buches immer wieder mehr oder weniger konkrete Hinweise zum Leben auf Jedha vor der Machtübernahme durch das Imperium, doch bei diesen Hinweise bleibt es eben – der zeitliche Schwerpunkt der Handlung liegt ganz klar auf der unmittelbaren Vergangenheit vor Rogue One. Es geht um die beiden bekannten Wächter der Whills, neue Wächter werden nicht als handelnde Figuren der Handlung eingeführt, sondern bestenfalls namentlich (unter den Gedichten) erwähnt.

Neben einer Unterteilung in Kapitel sollte in diesem Zusammenhang angemerkt werden, dass das Buch jedes neue Kapitel mit ein paar Zeilen Lyrik einleitet; zumeist handelt es sich um Gedichte, stellenweise allerings auch mantraartige Sprüche – auch der Jedi-Kodex ist enthalten und damit wieder Teil des Kanons. Wer Geduld und Interesse hat, kann sich Zeit für die Gedichte nehmen und seine Gedanken schweifen lassen – und vielleicht auch für sich Theorien über das Wesen der Wächter der Whills entwickeln. Ich persönlich lese gerne Gedichte und mochte dementsprechend die Idee, lyrische Texte in das Buch einzubauen; wer kein Freund von Lyrik ist, dürfte sich dadurch im Lesefluss nicht gestört fühlen. Pro Kapitel füllt die Lyrik (lediglich) eine Seite, die bei Desinteresse entweder schnell überflogen oder auch ganz ausgelassen werden kann; die Kapitel funktionieren auch ohne die Lyrik ohne Probleme.

Zusätzlich sollte Erwähnung finden, dass das Buch Illustrationen beinhaltet, die wir stilistisch in ähnlicher Weise (wenige, eher kontrastreiche Farben; eher umrisshafte Formen) bereits aus anderen Buchprojekten des neuen Kanons wie Before the Awakening kennen – ich habe im Fall des vorliegenden Buches allerdings den Eindruck, dass die Illustrationen etwas schärfer gezeichnet sind und für mich damit gelungener herauskommen, als die aus anderen Buchprojekten. Insgesamt muss einmal mehr gesagt werden, dass die Bücher von Disney Publishing bezüglich der physischen Machtart und Qualität absolut erste Sahne sind.

Kanonische Relevanz

Wie schon der Band der neuen Kurzgeschichten hat Guardians of the Whills ein nahezu quadratisches Format; wie schon bei den neuen Kurzgeschichten hatte ich hier beim Lesen den Eindruck, dass dieses für narrative Star-Wars-Bücher sehr untypische Format umgesetzt wurde, um das Buch mangels Inhalt optischer dicker und umfangreicher zu machen – trotz dieser Maßnahme kommt das Buch nur mit ach und Krach auf 230 Seiten.

Wie bei vielen Büchern des neuen Kanons hatte ich auch hier den Eindruck, dass man eigentlich viel mehr über beiden Hauptfiguren hätte erzählen können – die Informationen, die mich eigentlich interessiert hätten (Vergangenheit; Zusammenhang mit den anderen Wächtern der Whills; Geisteshaltung – insgesamt eine größere Kontextualisierung) kommen radikal zu kurz, stattdessen verzettelt sich das Buch besonders am Ende in eine Rettungsaktion jedhanischer Kinder, die mich überhaupt nicht gepackt hat. Sicher, die im Buch enthaltenen Informationen über das Leben auf Jedha und die widrigen Zustände sind interessant; doch sie nehmen für ein Buch, welches dem Titel nach die ‚Guardians of the Whills‘ thematisieren will, viel zu viel Raum ein. Mein starker Verdacht ist, dass man die Informationen, die ich persönlich für deutlich relevanter und interessanter halte, für potenzielle Projekte mit medial größerer Tragweite aufheben will – was sehr zu Lasten des vorliegenden Buches geschieht. Neue Namen und Konzepte, die mit den Wächtern selbst zu tun haben, werden oft nur namentlich kurz angeteasert und dann fallen gelassen.

Die Hauptfiguren

…sind meiner Auffassung nach sprachlich und charakterlich sehr gut getroffen; auch wenn wohl aufgrund des Umfangs und aufgrund medial größerer Projekte keine nennenswerte Vertiefung der Charaktere stattfindet. Chirrut und Maze sind bereits in Guardians of the Whills so wie zu Beginn von Rogue One. Wem dieser Umstand nichts ausmacht und einfach Interesse an einem Buch über das Leben auf Jedha vor den Ereignissen aus Rogue One hat, das zusätzliche abenteuerliche Passagen aus dem Leben der beiden bekannten Wächter der Whills thematisiert, ist hier sicher an der richtigen Adresse.

Die weiteren Figuren bleiben eher schwach und treten nur in der Form und an den Stellen auf, wo sie ins Leben der beiden Hauptfiguren passen – nennenswerte Charakteristika, welche über ihre Rolle im Leben von Baze und Chirrut hinausgehen, haben sie meiner Meinung nach nicht.

Fazit

Jedem zu empfehlen, der Einblick in das Leben auf Jedha kurz vor Rogue One haben will und zusätzlich Interesse an weiterer Action mit Baze und Chirrut hat – und zwar Baze und Chirrut an dem Entwicklungspunkt ihres Lebens, den wir aus Rogue One kennen. Wer sich eine breitere Kontextualisierung der beiden Hauptfiguren erhofft – oder der Institution Guardians of the Whills insgesamt – dürfte bei diesem Buch so seine Schwierigkeiten haben.

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