Timothy Zahn: Thrawn

20150716_swcethrawnIn Star Wars Rebels kehrte der unter Legends-Fans seit jeher legendäre Großadmiral Thrawn zurück – nicht nur in den Kanon, sondern diesmal sogar bis auf die Fernsehschirme. Doch wie kam Thrawn eigentlich zum Imperium und wie stieg der Chiss bis in die höchsten Positionen der imperialen Flotte auf? Dieser Roman hat es sich zum Ziel gesetzt, die Hintergrundgeschichte des legendären Großadmirals darzulegen – von seiner ersten Begegnung mit dem Imperium bishin zu seiner Ernennung zum Großadmiral in der Zeit vor Star Wars Rebels.

Vorab: Meine persönliche Beziehung zu Zahns Star-Wars-Romanen

Da Thrawn nicht nur thematisch auf bekanntem Legends-Material fußt, sondern auch vom ursprünglichen ‚Schöpfer‘ der Figur verfasst wurde, möchte ich diese Rezension nicht beginnen, ohne meine Wahrnehmung der bestehenden Star-Wars-Romane Zahns darzulegen; schließlich fußt das Phänomen ‚Thrawn‘ bei den Fans ganz wesentlich auf den Legends und Timothy Zahn als Autor – auch wenn wir nun in den neuen Kanon vortreten. Diese Einleitung soll euch dabei helfen, die Rezension besser verorten zu können – habt ihr es hier mit der Meinung eines Lesers zu tun, der Zahns Werken generell wohlwollend oder eher ablehnend gegenübersteht? Mein Ziel ist es, euch in meine Wahrnehmung von Zahns Büchern einzuführen, damit ihr vielleicht besser einschätzen könnt, wo sich meine Wahrnehmung von Thrawn mit eurer potenziellen Wahrnehmung beißen könnte bzw. wo Übereinstimmungen liegen könnten.

Insgesamt fand ich die Thrawn-Trilogie (zweimal gelesen) spannend umgesetzt; mir gefielen die Einblicke in die Neue Republik, in das Imperium nach der Schlacht um Endor und ich schätzte auch die Figur des Großadmiral Thrawn sehr. Für mich war der Großadmiral als neuer Superschurke gerade aufgrund seiner Unterschiedlichkeit zum Imperator sehr gelungen, ich fand in diesem Zusammenhang auch seinen Führungsstil und seine exzentrischen Denkweisen auf erfrischend neue Weise sehr gelungen. Deutlich später kam ich dann zu den anderen Werken von Timothy Zahn und war ein ums andere Mal ziemlich entsetzt von dem, was sich mir da bot: Unnötig verkomplizierte Wendungen und die geradezu platt-unglaubwürdige Entstehung der Liebesbeziehung zwischen Luke und Mara in der Thrawn-Duologie, die geradezu absurd bizarren Fast-Begegnungen zwischen Mara und Luke in Allegiance oder der aberwitzige Überfluss an neuen, tragenden, aber stets langweilig flachen Figuren in Scoundrels – um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu ganz generell ein Übermaß an platten Figuren und Zahns Neigung, sich in immer wieder neue Handlungsstränge zu verzetteln, die er für meine Begriffe oft nicht wirklich angemessen kontextualisiert oder nicht so zusammengeführt werden, dass ich das große Ganze in all seinen Facetten erkennen konnte. Insgesamt war mit der Zahn-Legends-Kanon in weiten Teilen zu wirr. Auch insgesamt passen viele Handlungsstränge und Subplots aus meiner Sicht nicht wirklich zusammen; stets werden weitere Fragen aufgeworfen, die viel zu oft nicht in dem Umfang erörtert werden, den ich mir erwünscht hätte. Viele der von Zahn erschaffenen Figuren wie Mara Jade, Borsk Fey’lya oder Gilad Pellaeon wurden für mich erst mit späteren Werken wie der New Jedi Order, Legacy of the Force oder Fate of the Jedi dreidimensional genug, um mir wirklich wichtig zu werden.

Auch Thrawn selbst fand ich von Mal zu Mal weniger spannend. Sicher, als neuer Schurke war Thrawn insbesonders in Bezug auf seine Andersartigkeit im Vergleich zum Imperator eine aus meiner Sicht recht perfekte Wahl für die Trilogie – aber allmählich wurde mir seine taktische Überlegenheit (als einziges wirklich herausragendes Charakteristikum der Figur) und die mangelnde Wandelbarkeit der Figur einfach zu langweilig. Auch sonst liegt mein Problem mit Zahns Legends-Werken darin, dass der Autor (vielleicht außer der Thrawn-Trilogie) zugunsten einer starken Handlungsorientierung die vertiefte Darstellung seiner Figuren hintenanstellt; besonders auffällig fand ich diesem Umstand bei Zahns Mara-Jade-Romanen – anstatt den Roman dem Charakter der imperialen Soldaten (ein in den Legends ohnehin wenig beleuchtetes Thema!) und der ohnehin tragenden Mara Jade zu widmen, bleiben alle Figuren seltsam oberflächlich und verfolgen relativ irrelevante, ebenfalls oberflächliche Figuren auf relativ irrelevanten Planeten.

Figuren

Zahn legt mit dem neuen Roman Thrawn einen Roman vor, wo im Gegensatz zu den allermeisten seiner Legends-Romane (mit Ausnahme vielleicht von Choices of One und Allegiance) eine Figur und nicht die Handlung selbst im Mittelpunkt der Handlung steht. Gewiss hatten Zahns Legends-Romane prägnante Figuren wie Thrawn oder Mara Jade in tragenden Rollen – diese jedoch standen in der Hierarchie (fast) immer unter der Handlung und dienten der Darstellung der Galaxis; bzw. der Darstellung größerer politischer oder entdeckerischer Zusammenhänge.

Hier allerdings – das legen bereits Titel und Klappentext nahe – soll es um Thrawn gehen, gewissermaßen in einer Art partieller Biographie, die seinen Aufstieg an die militärische Spitze des Imperiums darlegen soll. Nicht eine Figure dient der Handlung; die Handlung des Romans soll der Figur dienen. Auf gelungene Weise spannend finde ich in diesem Zusammenhang, dass beträchtliche Teile des Romans nicht direkt aus Thrawns Perspektive berichtet werden, sondern gewissermaßen von Außen bzw. stärker durch die Interaktion Thrawns mit Eli Vanto – wobei Vanto rasch eine Rolle einnimmt, die dazu beiträgt, die Charakteristika/Fähigkeiten Thrawns herauszustellen; er als Person bleibt dabei freilich recht flach. Weite Teile des Romans lesen sich also wie eine Beobachtung Thrawns durch andere Augen – interessante Ergänzungen dieser meist imperialen Wahrnehmung sind im ganzen Roman auftretende, kursiv geschriebene Passagen, welche die unverfälschte Sicht Thrawns wiedergeben. Dies geschieht in Form kleinerer Tagebucheinträge am Anfang aller Kapitel oder durch kursiv geschriebene Beobachtungen, die in Form kurzer Aussagen unter die Dialoge gestreut werden.

Weniger gelungen finde ich den Umstand, dass Arihnda Pryce insbesonders in späteren Passagen des Romans sehr viel Aufmerksamkeit bekommt. Ich verstehe zwar, dass Zahn das löbliche Ziel verfolgt, die in Rebels in Anfängen thematisierte Beziehung zwischen Pryce und Thrawn zu kontextualisieren und damit vertieft darzustellen – doch mein Eindruck beim Lesen war, dass Zahn insbesonders gegen Ende des Romans diese Beziehung zunehmend aus den Augen verliert und phasenweise ausschließlich Arihnda bzw. ihre Vergangenheit verfolgt. Es ist zwar einerseits schön, weitere Einblicke hinter die Kulissen kleinerer imperialer Planeten und ihrer Einwohner zu bekommen und auch für Fans von Arihnda Pryce (zu denen ich nicht gehöre) sind diese Passagen sicher spannend – doch ich hatte zunehmend den Eindruck, dass Pryce in einem eigentlich Thrawn zugeteilten Romane eine nahezu gleichrangige Rolle (fast schon aus eigenem Recht und nicht allein zur Darstellung Thrawns) erhält – was mich thematisch gesehen insbesonders aufgrund des eigentlichen Fokus des Romans (Thrawn) genervt hat und auch aufgrund der Tatsache, dass ich Arihnda als Figur nicht besonders spannend finde.

Trotz dieser Schwächen finde ich, dass Zahn seinen Stil hinsichtlich der Darstellung/Fokussierung von (einzelnen) Figuren klar verbessert hat (wobei ich sagen muss, dass die Thrawn-Trilogie selbst hinsichtlich Pellaeon als Eli-Vanto-ähnlicher Charakter und seiner Interaktion mit Thrawn auf einem ähnlichen Niveau operiert) – auch angesichts der Tatsache, dass es sich (vielleicht mit Ausnahme der Mara-Jade-Romane) um Zahns ersten Star-Wars-Roman handelt, der dezidiert eine Figur ins Zentrum der Aufmerksamkeit lenkt, finde ich, dass er den Sprung zu Figuren im Fokus der Handlung weg von Ereignissen als zentrale Inhalte gekonnt gelöst hat. Eine gute Idee fand ich auch, dass Thrawns relative Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Politik Coruscants zum Thema des Romans gemacht wurde (auch wenn mich persönlich das Thema nicht interessiert) – wobei ich neben diesem neuen Thema Thrawns typisches Charakteristikum der taktischen Überlegenheit recht rasch ermüdend fand. Fan von Thrawns Denkweise/Lösungsstrategien werden diese auch im neuen Roman lieben, in dieser Hinsicht bleibt der Roman seinen Vorgängern sehr treu – wobei exakt diese Einhaltung alter Muster das war, was mich an dem Roman am meisten ermüdete. Gewiss, man kann und sollte Zahn nicht darum bitten mit Thrawn das Rad neu zu erfinden (schließlich ist Thrawns taktische Schläue sein herausragendes Merkmal) – aber für mich persönlich war Thrawns Taktikfähigkeit eben spätestens in Outbound Flight ausgelutscht; sodass ich die (stilistisch und inhaltlich absolut angemessenen Szenen!) in Thrawn recht rasch ermüdend und uninnovativ fand – zu bekannt für mich in sehr ähnlicher Form schon aus anderen Thrawn-Romanen.

Handlung

Rein handlungstechnisch hat Thrawn für mich dieselben Probleme wie Tarkin. Der Roman verzettelt sich für mich einfach zu lange in relativ unspannenden Handlungen und Manövern, die mit der Kommendostruktur und den Machtspielen des imperialen Militärs zu tun haben – und in Schurken, die mir einfach zu wenig Profil haben bzw. zu austauschbar sind. Wer sich für die Interaktionen des imperialen Militärs bzw. besonders der imperialen Flotte interessiert, liegt mit diesem Roman bestimmt richtig – ich persönlich empfand diese Machtspielchen, Intrigen und Hierarchien einfach nicht als besonders interessant; dies ist aber mein persönliches Problem und nicht die Schuld des Romans.

Legends-Kompatibilität

Schon vor der Veröffentlichung des Romans warben die Verantwortlichen dafür, dass dieser Roman ein Feld beackert, das von den bisherigen Thrawn-Romanen kaum bzw. nicht beackert worden sein. Und in der Tat würde ich sagen, dass verhältmäßig wenige (oder keine?) Elemente des Thrawn-Romans gegen Inhalte der Legends-Trilogie sprechen – anders sieht es meiner Einschätzung nach allerdings mit Thrawn-Romanen der Legends aus, die im Legends-Kanon vor dem Thrawn-Roman der Einheitskontinuität angesiedelt sind; insbesonders Thrawns erste Begegnung mit dem Imperator bzw. Palpatine sieht nun ganz anders aus. Ansonsten ist meine Erinnerung an Outbound Flight zu verschwommen, um präzise Aussagen zu treffen – mein Eindruck ist jedoch, dass auch Thrawns Exil (am Ende des Romans aus seiner eigenen Sicht!) nun anders dargestellt wird.

Neben diesen Handlungsapekten gibt es jedoch viele aus dem Legends-Kanon bekannte Begriffe und Elemente, die in sehr ähnlicher Form wieder in den Kanon zurückgeführt werden und denen, die die Legends-Werdung vieler Zahn-Konzepte bedauert haben, sicher eine Freude ist.

Fazit

Ein aus meiner Sicht thematisch wenig interessanter Roman, was einerseits auf mein generelles Desinteresse an Thrawns Biographie zu diesem Zeitfenster und auf das Handlungsmilieu (oft imperiale Flotte) zurückzuführen ist und anderseits mit dem Umstand zusammenhängt, dass ich Thrawn als Figur bereits in den Legends überreizt fand – das, was Thrawn auszeichnet, ist für mich zu ausgeluscht. Interessenten am Imperium und Fans des Großadmirals selbst können aus meiner Sicht mit diesem Roman nichts falsch machen; auch hinsichtlich der Erzählweise ist der Roman gut geschrieben und ich sehe auch eine Entwicklung Zahns hinsichtlich der Darstellung einzelner Figuren, die prioritär über der Darstellung galaktischer Ereignisse stehen – ein Feld, das er im Legends-Kanon so eher selten (wenn überhaupt) beackert hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s