James Luceno: ‚Catalyst: A Rogue One Novel‘

20161120-catalyst-cover2-sm-1Inhalt

Der Roman setzt in der Spätphase der Klonkriege an – Separatisten und Republik bekämpfen sich an allen Fronten mit immer härteren Bandagen. In der Republik nehmen Zukunftssorgen zu und man bangt um Lösungen, wie man den Krieg beenden kann. Orson Krennic, seines Zeichens Mitglied Palpatines geheimem Todessternprojekt, hat sich zum Ziel gesetzt, seinen alten Freund Galen Erso für das Projekt zu gewinnen – Krennic sieht in Ersos kristallbasierter Energieforschung einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Vervollständigung des Projekts.

Nachdem Krennic Erso ebenso wie dessen Frau und deren Tochter Jyn aus den Händen separatistischer Entführer gerettet hat, empfindet sich Erso in Krennics Schuld. Krennic bietet Erso überdies eine einmalige Gelegenheit: Er soll seine Energieforschung fortsetzen – unter Einsatz unbeschränkter Ressourcen und, so macht Krennic Erso weis, selbstverständlich ausschließlich im Kontext friedlicher Anwendung.

Kernelemente und Zielgruppe

Auch wenn Catalyst: A Rogue One Novel – schon dem Titel nach – als Vorgeschichte und Teil der Erzählung Rogue One wahrgenommen wird, sollte man nicht allein aus diesem Grund von der Annahme ausgehen, der Roman eigne sich rückhaltlos für alle, die im Dezember zu Rogue One ins Kino gehen werden.

Wer das Mystische, Religiöse und fantastisch Nebulöse an Star Wars liebt und diese Komponenten für essenzielle Bestandteile eines guten Star-Wars-Romans hält, dürfte sich – wie ich selbst beispielsweise – mit diesem Roman schwer bis sehr schwer tun. Der Roman legt seine Foki einerseits auf die Entstehung, das Leben und die Entwicklung der Familie Erso und anderseits auf recht ‚machtsteril‘ angelegte Schauplätze wie die Militär- und Rüstungsmaschinerie der Republik und später des Imperiums. Schauplatz des Romans – der in drei größere Kompartimente unterteilt ist – ist eine stark technikorientierte Welt, in der Maschinen und die damit betrauten Menschen die erste Geige spielen: Wer die Macht und ihre Mysterien liebt und diese als unabdinglich für einen guten Roman ansieht dürfte sich an diesem Roman die Zähne ausbeißen.

Im Umkehrschluss gilt allerdings: Wer auf einen Roman gewartet hat, in dem die Macht keinen wesentlichen Platz einnimmt und der sich auch von den Jedi als Protagonisten entfernt, dürfte mit diesem Roman bestens bedient sein. Die Kriegsmaschinerie abseits der Großen Armee und der Jedi bzw. der Militärapparat des Imperiums stellt einen wesentlichen Anteil des Romans, der andere wesentliche Teil des Romans ist die Familie Erso – neben Orson Krennic – allesamt Protagonisten des Romans.

Figuren

Bei aller Technikversessenheit schafft es der Roman geradezu bemerkenswert, die Figuren – ganz wesentlich Orson Krennic und Galen Erso, aber auch Jyn und Lyra Erso – nicht aus den Augen zu verlieren. Wer sich – anders als ich selbst – für die Technikorientierung des Romans begeistern kann und Lust hat, einigen Protagonisten des anstehenden Films Rogue One bereits vor dem Film zu begegnen, kann mit diesem Roman eigentlich nichts falsch machen: Die Figuren erhalten nicht nur zum Teil Hintergrundschichten über die Zeit vor der Handlung des Romans, sie tragen überdies ganz wesentlich die Handlung des Romans und erwecken wesentliche Konstruktionsbestandteile des Todessterns zum Leben. Selbst die kleine Jyn – theoretisch jung genug um im Rahmen der Haupthandlung marginalisiert zu werden – wird von Luceno absolut adäquat in den Roman eingebaut und zum Leben erweckt. Neben dem technikorientierten Leben der Ersos werden dennoch auch andere Bestandteile ihres Lebens nicht ausgeblendet sondern passend in die Haupthandlung mit eingebunden.

Neben diesen Figuren werden auch andere, bislang unbekannte Figuren teils auf fast protagonistischer Ebene im Roman eingeführt, die ihre Rollen gelungen spielen, aber nicht aus sich heraus relevant für die Erzählung um Rogue One sind. Ich persönlich empfand diese Figuren als eher platt – ich räume allerdings ein, dass die generelle Langeweile, die ich beim Lesen des Romans empfand, meine Wahrnehmung der Figuren als solcher getrübt haben mag.

Sprachliches

Luceno erfindet mit diesem Roman zwar nicht gerade eine revolutionär neue Erzähltechnik, sondern liefert auf gewohnt gutem bis sehr gutem sprachlichen Niveau das ab, was man von ihm gewohnt ist in dem Stil, den man von Luceno gewohnt ist. In sprachlicher Hinsicht liefert der Roman keine Überraschungen wie beispielsweise Chuck Wendigs Aftermath, sondern das, was man von einem Roman aus der Feder Lucenos gleichermaßen gewohnt ist wie erwartet.

Zeitlicher Rahmen

Besonders schön gelingt es dem Roman, Elemente der Prequels einzufangen wie beispielsweise die Stimmung der kriegsmüden Republik und aus den Prequels bekannte Orte, Personen und Institutionen – gegen Ende der Klonkriegsphase im Roman gelingt es Luceno ebenso hervorragend, diese Stimmung u.a. mit Propaganda-Elementen hin zur Stimmung eines aufsteigenden Imperiums zu wandeln.

Generell gelingt es Luceno in diesem Roman sehr gut, neue Elemente wie die Familie Erso mit bekannten Prequel- und OT-Elementen zu verbinden und damit einen zeitlichen Längsschnitt ähnlich dem zu erzeugen, was wir in Lost Stars gelesen haben – nur beginnt der zeitliche Rahmen etwas früher und endet deutlich früher.

Neuer Kanon, alter Kanon, Relevanz und Extras

Luceno setzt in diesem Roman fort, was er in Tarkin begonnen hat und führt nach Murkhana u.a. mit der Spezies ‚Ryn‘ weitere von ihm erschaffene Elemente in den Kanon zurück, die mit der Legendswerdung des alten EU ihren Kanonstatus eigentlich verloren hatten. Interessanterweise wird neben anderen bekannten EU-Elementen auch der Planet Hypori und das dortige Duell der Jedi mit General Grievous aus Clone Wars wird wieder in den Kanon zurückgeführt, ohne, dass dies unbedingt notwendig gewesen wäre.

Auch abseits dessen erweitert Luceno die Einheitskontinuität um weitere wissenswerte Elemente – ich nenne sie ‚Extras‘ – welche eigentlich nicht notwendig für die Geschichte als solche sind, aber wie kleine ‚Schmankerl‘ in Form von Schlagsätzen oder Kommentaren in die Geschichte eingebaut werden und den Leser dadurch erfreuen, dass sie die Galaxis greifbarer machen und Fragen beantworten, die sich der eine oder andere sicher schon gestellt hat: Wie wurde der Jedi-Tempel nach der Order 66 verwendet? Wie verhielten sich separatistische Welten nach dem Niedergang des Separatistenrates auf Mustafar?

Neben PT und OT ebensowie neu-kanonisierten Elementen finden auch Bestandteile aus The Clone Wars Präsenz im Roman – die Geschichte ist daher ein gelungenes Geflecht aus neuen und bekannten Elementen, welche aus den verschiedensten Quellen entstammen und auf einer Hierarchieebene in den Roman eingebunden werden: Catalyst entspricht in diesem Zusammenhang absolut mit dem Konzept der Einheitskontinuität, welche Geschichten verschiedener Typen auf einer Ebene zusammenbringen will.

In diesem Zusammenhang sollte angemerkt werden, dass die Protagonisten des Romans – die Familie Erso und Orson Krennic – direkt und indirekt auch wesentlich für den Film sein werden. Die Geschichte fühlt sich durchaus wie die Vorgeschichte an, als die sie konzipiert ist – anders als Aftermath, dessen Verbindungen zu The Force Awakens im Rahmen der angeblichen Journey to The Force Awakens bestenfalls rudimentär vorhanden waren. Auch verbeißt sich Catalyst nicht in Nebenfiguren und Kernelementen ohne Tragweite für die filmische Zukunft des Kanons.

Fazit

Ich möchte abschließend auf eine wesentliche Unterscheidung aufmerksam machen: Es gibt Romane, die man beim Lesen einfach nur als abgöttisch schlecht geschrieben empfindet. Bei anderen Romanen trägt man gewissermaßen ’selbst Schuld daran‘, dass die Geschichte bei einem selbst nicht funktioniert: Catalyst gehört für mich zur zweiten Sorte – Luceno hat hier aus meiner Sicht durchaus gute bis sehr gute Arbeit abgeliefert – nur entspricht meine Vorstellung dessen, was ich als Kernelemente eines für mich spannenden Star-Wars-Romans ansehe (u.a. Mystisches, Jedi, die Macht und Personenorientierung) in weiten Teilen nicht den Kernelementen dieses Romans.

Ich nehme Catalyst daher als einen Roman wahr, der bei einer gewissen, oben skizzierten Zielgruppe definitiv völlig zu recht stark punkten wird, während andere Leser die mystischen Elemente der Saga scherzlich vermissen werden und das stark wissenschaftlich-technisch ausgelegte Setting als zu steril erachten werden, als dass es ihre Interesse wecken könnte. Unsere Redaktion spiegelt diese Meinungsunterschiede durchaus wieder – während ich selbst mit dem Roman wenig bis nichts anfangen kann, liest mindestens ein anderes Redaktionsmitglied den Roman gerade mit Genuss.

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