Aaron Allston: ‚Legacy of the Force #1: Betrayal‘

betrayalcover40 Jahre nach der Zerstörung des ersten Todessterns.

Die Yuuzhan Vong sind geschlagen, das Dunkle Nest ist besiegt und die Überreste des Imperiums haben sich mit der Neuen Republik in einer Galaktischen Allianz vereint.

Eigentlich könnte jetzt der Frieden eintreffen, für den unsere Helden so viele Jahrzehnte gekämpft und gelitten haben. Doch der Yuuzhan-Vong-Krieg und die Auseinandersetzung mit den Killiks haben die Galaktische Allianz prägend verändert – auf persönlicher Ebene ebenso wie hinsichtlich der Regierungsweise. Corellia – Heimatwelt von u.a. Han Solo, Wedge Antilles und Corran Horn – strebt nach mehr Eigenverantwortung und Unabhängigkeit in der Allianz. Als Ben Skywalker und Jacen Solo auf einer Mission nach Adumar begreifen, dass dort Rüstungsbetrieb ohne das Wissen der Galaktischen Allianz betrieben wird, bahnt sich eine neue Krise ein – nicht gegen, sondern innerhalb der Allianz.

Konflikt – Notwendigkeit und Überdruss?

Viele Leser werden sich fragen: Wie kann man jetzt, nach dem Ende des Imperiums, nach den Yuuzhan Vong und den Killiks jetzt noch eine Bedrohung aus dem Hut zaubern? Einerseits, weil man unseren Helden den Frieden gönnen will, den sie in Jahrzehnten des Krieges erstreiten wollte – andererseits aber auch, weil nun vermeintlich alles beseitigt ist, was der Galaktischen Allianz gefährlich werden kann.

Wer sich grundsätzlich gegen alle Konflikte stellt, welche die Galaxis unseren Helden noch stellen könnte und unsere Helden lieber in den Ruhestand entlassen würde, der ist besser damit bedient, die Finger von der Reihe zu lassen. Wer allerdings offen für einen neuen Konflikt ist, der sollte der Reihe meiner Meinung nach eine Chance gegen – handelt es sich bei diesem Konflikt doch zu ersten Mal im Post-Endor-EU um einen inneren Konflikt, der die Galaxis in Scherben reißen könnte. Ich persönlich fand beim Lesen, dass der Konflikt – eine quasi galaxisumspannende Allianz, welche einigen Mitgliedswelten ihrer Auffassung nach zu wenig Freiheiten bietet und dementsprechend als potenzielles neues Imperium dargestellt wird – absolut plausibel und spannend dargestellt wird: Die Regierung war schon lange vor den Yuuzhan Vong nicht perfekt, die Kriege gegen die Yuuzhan Vong und die Killiks haben ihr neue Kratzer und Risse zugesetzt und nun droht die Allianz von Innen heraus zu implodieren. Ich persönlich sehe in diesem Konflikt nicht nur eine elegante Lösung der Frage, wie man das EU in der Zeit nach den Yuuzhan Vong fortsetzen kann, sondern auch die einzig plausible Konsequenz aus den Blessuren, welche die Kriege der Galaxis und ihren Bewohnern versetzt haben.

Rechnet in diesem Roman weniger mit offenen Feldschlachten, als eher mit politischen Intrigen, die gegen Ende in einem gewaltsamen Showdown enden. Schön ist besonders, dass es Allston aus meiner Sicht absolut gut gelingt, die Kanten und Grenzen der Konfliktparteien darzustellen – was insbesonders in Anbetracht der Tatsache bemerkenswert ist, dass die Helden der Leser nicht auf einer Seite stehen und die andere bekriegen, sondern mit beiden Seiten sympathisieren. Durch diesem Umstand wirken beide Seiten begreiflich und interessant – als ich mir beim Lesen die Frage stellte, auf welcher Seite ich selbst stehe, fiel mir auf, dass ich diese Frage, anders als im Galaktischen Bürgerkrieg, im Yuuzhan-Vong-Krieg oder in der Auseinandersetzung gegen das Dunkle Nest nicht klar beantworten kann. Diese Unklarheit, wenn auch unter gleichzeitig absolut klar definierten Seiten, macht diesen Konflikt neben seiner oben erwähnten Plastizität auch so so spannend.

Ein Wort sei noch über die Parallelen zu den Klonkriegen verloren: Ja, hier bahnt sich ein neuer Bürgerkrieg an, der – besonders in den Folgebänden – gewisse Parallelen zu den Klonkriegen aufzeigt. Ich denke, dass dieser Umstand die Leser meinungstechnisch spalten wird: Manche dürften sich durch diesem Umstand eher abgestoßen fühlen, ich selbst empfand die Parallelen allerdings nicht als störend oder uninnovativ, sondern bin dem Konflikt gerne gefolgt.

Figuren:

Ein klares Plus für diesen Roman. Wer Romane schätzt, deren Konflikte sich an Figuren orientieren, welche plastisch und charakternah aufgezogen werden, wird an ‚Betrayal‘ seine Freude finden. Hier stehen sich immer klarer zwei Parteien gegenüber, die im Wesentlichen durch ihre Mitglieder und ihre Loyalitätsverhältnisse im Verlauf des Romans immer klarer definiert werden – da diese Figuren mit ihren Interessen und Beweggründen nahe erklärt werden, plastizieren sie sich gewissermaßen mit der Entstehung des Konflikts und ihren damit verbundenen Gefühlen, ihrer Seiten und den Problemen, welche diese Positionierung mit sich bringt.

Der Konlikt lebt mit den Figuren und durch die Figuren. Doch er macht sie gleichzeitig greifbarer, intensiver und enthüllt Prägungen, die man so vorab nicht kannte. Gleichzeitig werden – insbesonders in Jacens Fall – auch vergangene Ereignisse immer wieder aufgegriffen und mit der gegenwärtigen Situation und entsprechenden Charakterprägungen verbunden. Vergleichend würde ich sagen, dass die Figuren nun spannender und besser aufgezogen werden, als dies in der Bantam-Ära geschehen ist, sie wirken plastischer, vielseitiger und gleichzeitig kann man ihren Wandlungen und Erlebnissen sehr gut folgen.

Fazit:

Ich denke, dass Allston mit diesem Roman eine Reihe einleitet, die sich in Spannung bislang (habe heute Band #4 zuende gelesen), Plastizität und Figurennähe durchaus mit dem Erbe der Jedi-Ritter messen kann und – außer wenigen Romanen wie der Jedi-Akademie-Trilogie oder Darksaber – durchaus auch die meisten Romane der Bantam-Ära hinter sich lässt.

Die Frage ist, ob man unseren Helden einen weiteren Krieg zumuten möchte oder ob nach den Yuuzhan Vong und dem Dunklen Nest Schluss sein soll. Wer unseren Helden den Ruhestand gönnen will, sollte die Finger von der Reihe lassen. Wer einen spannenden Konflikt erleben möchte, der aus Post-Endor-Perspektive innovativ ist und ohne Plausibilität einzubüßen Parallelen zu den Klonkriegen aufweist, der sollte dieser Reihe durchaus eine Chance geben.

 

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