E. K. Johnston: Ahsoka

9781484705667

Seitdem Ahsoka in ‚The Clone Wars‘ aus dem Jedi-Orden ausgetreten und in ‚Star Wars Rebels‘ als Fulcrum wieder in die Handlung eingetreten ist, stellten sich The-Clone-Wars- und Rebels-Fans die Frage: Was ist mit Ahsoka in der Zwischenzeit geschehen?

E.K. Johnston stößt nun mit ihrem Star-Wars-Erstling ‚Ahsoka‘ in diese Lücke vor und möchte diese Geschichte erzählen. Wie wurde aus der Padawan-Schülerin Ahsoka Tano die Rebellenagentin Fulcrum?

Struktur und Sprache

Rein strukturell – nicht inhaltlich oder thematisch! – mag sich der eine oder andere beim Lesen ein wenig an ‚Aftermath‘ oder ‚Aftermath: Life Debt‘ erinnert fühlen: Ein Roman, der kurz nach dem Ende einer Filmtrilogie ansetzt, in die Zeit nach dieser Trilogie vordringt und bisweilen von kurzen Interludes durchzogen ist, welche snapshotmäßig Einblicke in einen größeren Kontext bieten – nur, dass der größere Kontext hier freilich nicht der Zustand der Galaxis nach Endor, sondern im Wesentlichen Ahsokas Biografie ist (wenn auch einige dieser Interludes – die übrigens im Roman selbst nicht als Solche bezeichnet werden – durchaus Einblicke in Umstände bieten, die nicht direkt mit Ahsokas Leben verbunden sind).

Sprachlich gesehen hat E.K. Johnston solide Arbeit abgelegt – enthalten sind nicht unbedingt ungekannt brillant formulierte innere Monologe oder Worldbuilding-Beschreibungen, aber eben auch keine situativen Beschreibungen oder Handlungsstränge, welche den Leser verwirren oder aus der Geschichte kegeln. Man kann der Handlung wunderbar folgen, die Sprache ist den jungen Lesern als Zielgruppe ebenso wie den fiktiven Figuren gegenüber angemessen und insgesamt angenehm zu lesen. Wesentlich ist meiner Ansicht nach außerdem, dass sich Ahsoka Tano nach Ahsoka Tano anfühlt – in Sprache und Handlung.

Handlung:

Zugegebenermaßen hatte ich im Falle von ‚Ahsoka‘ mit einem Jugendroman mit Bildungsromanzügen gerechnet – gewissermaßen eine Geschichte, welche Padawan Tano über ca. 15 Jahre verfolgt und mir erklärt, warum Ahsoka von der verletzten, im Vertrauen missbrauchten Padawan, welche die Stufen des Jedi-Tempels in die Sonne Coruscants hinabgeht, zur erwachsenen Rebellin Fulcrum wird, die Kanan und Ezra in Rebels begegnet. In etwa so plastisch – wenn auch natürlich nicht so umfangreich – wie Han Solo im Zuge der Han-Solo-Trilogie (Legends-Kanon) vom flüchtigen Straßenjungen zu dem Schmuggler wird, der in Episode IV auf Luke Skywalker und Obi-Wan Kenobi trifft (wobei der dritte Band sogar grandios in exakt dieser Szene endet).

In Ahsoka werdet ihr diese Geschichte leider nicht in dieser Form finden, nicht vollständig jedenfalls – der Roman deckt viel eher Ahsokas Erfahrungen und Erlebnisse ab, welche ein Jahr nach der Ausführung der Order 66 beginnen und folgt ihr dann eine gewisse Zeit, bis sie in die Rebellion eintritt.

Zu diesem Umstand kann man nun stehen, wie man will. Ich persönlich war ein wenig enttäuscht davon, dass man der Figur nicht (wie schon den Hauptfiguren bei ‚Lost Stars‘ in der Einheitskontinuität) über einen längeren Zeitabschnitt gefolgt ist und den Hauptfokus auf die charakterlichen Wandlungen und Entwicklungen gelegt hat, welche Ahsoka zwischen The Clone Wars und Rebels erfahren hat: Wie steht sie zur Expansion des Imperiums? Sie verbirgt sich nicht so wie Yoda oder Obi-Wan daher: Welche tragenden Ereignisse hat sie in dieser Zeit durchgemacht? Was haben diese Ereignisse mit ihr mittel- und langfristig gemacht?

Neben diesen Kritikpunkten fand ich die Handlung, welche nun tatsächlich erzählt wurde, in dieser Form fesselnd, schlüssig und absolut angemessen für die Umstände- da hat E. K. Johnston durchaus die richtige Auswahl getroffen: Die Jedi sind nicht mehr; Ahsoka versucht naheliegenderweise, am Leben zu bleiben und hält sich daher bedeckt und agiert in kleinen Kontexten und mikrosituativ. Galaxisweit tragende oder revolutionäre Ereignisse geschehen nicht – was ich in Anbetracht der oben erwähnten Umstände für die einzig richtige und passende Entscheidung halte.

Ein weiterer großer Pluspunkt des Romans sind die Interludes, welche im (gedruckten) Buch leicht erkennbar auf leicht dunkler eingefärbten Seiten niedergeschrieben sind – man weiß beim Lesen also durchaus, wann der nächste kommt. Viele dieser Interludes sind – für ein Buch der Einheitskontinuität – mit denen ich immer wieder gewisse ‚Vagueness-Schwierigkeiten‘ habe (Umstände/Figuren bleiben zu blass bzw. könnten dezidierter und manifester dargestellt werden) – geradezu erfrischend ‚explizit‘ im Gegensatz zur ‚Vagueness‘ anderer Werke wie der Vorgeschichte von Hera und Kanan in ‚A New Dawn‘. Besonders spannend fand ich einen Interlude, welcher zwischen Ahsokas Austritt aus dem Jedi-Orden in Staffel 5 und der Order 66 ansetzt – man merkte beim Lesen zwar schon, dass einige größere Leerstellen verbleiben, deren Tilgung für kommende Projekte aufgehoben wird, aber die Ereignisse waren dennoch so detailliert skizziert, dass ich mich als Leser bei der Lektüre bestens aufgeklärt und unterhalten fühlte. Ein großartiger Spagat zwischen Vagueness und der Explizitheit des alten Kanons, den ich so im neuen Kanon selten, wenn überhaupt, gesehen habe (die angesprochene Szene rekurriert übrigens auf diese Infos, die Dave Filoni bereits verlautet hat).

Figuren:

Ahsoka. Name und Titel sind Programm. Um sie geht es in diesem Roman und andere Figuren bleiben in diesem Zusammenhang aus meiner Sicht leider auf der Strecke. Neben ihr haben in Interludes und Haupthandlung auch andere bekannte Figuren Auftritte – ich finde es allerdings auffällig, wie blass und eindimensional die neu eingeführten Figuren bleiben bzw. wie wenig Neues man über die bereits bekannten Figuren abseits von Ahsoka herausfindet.

Also ja, Ahsoka fühlt sich nach Ahsoka an – was in einem Roman zu ihrer Figur auch gut und wesentlich ist. Es entschuldigt aus meiner Sicht allerdings nicht, wie fahl andere Figuren bleiben, diese Blässe ging bei mir beim Lesen sogar so weit, dass ich mich immer wieder fragen musste, welche Figuren nun inhaltlich nach Thabeska und welche nach Raada (den beiden Hauptplaneten des Romans) gehören – so wenig haben sich mir die einzelnen Figuren beim Lesen erschlossen.

Extras:

Ein wesentlicher Grund, weswegen ich als Jugendlicher Star-Wars-Bücher las, waren für mich damals verstärkt zusätzliche Mini-Informationen zu Planeten, Bauten oder Institutionen – oft hatten diese ‚Extras‘ keine große Relevanz für das Große Ganze und waren in Nebensätzen oder kleinen Beschreibungen verpackt. Dinge wie der Saal der Tausend Quellen in den Jude-Watson-Büchern beispielsweise waren es damals, die mich in erster Linie zum Lesen von Star-Wars-Büchern verleitet haben.

Auch wenn sich mein Fokus inzwischen eher zu den Figuren als Hauptinteressenspunkt gewandelt hat, schätze ich diese kleinen ‚Extras‘ bis heute sehr – und empfinde die relative Abwesenheit dieser ‚Extras‘ (so ist zumindest mein intuitiver Eindruck) in Einheitswerken im Gegensatz zum Legends-Kanon als sehr schade. Ahsoka hat in dieser Hinsicht – insbesonders an einer Stelle (Stichtwort: Lichtschwertkristalle) – eine andere Richtung eingeschlagen, die ich beim Lesen sehr geschätzt habe.

Fazit:

Wieder ein Roman, welcher Dinge nahelegt, die er in diesem Umfang u
nd dieser Dezidierheit nicht liefern kann – wobei die Handlung, welche wir haben, durchaus den Umständen angemessen gerecht wird und in Form der Interlude größtenteils spannende Snapshots aus Ahsokas Leben bietet, die im Verhältnis zu anderen Einheitswerken recht spezifisch sind, aber auch eindeutig darlegen, dass man sich die genauen Umstände einiger ‚Rosinenstücke‘ in Ahsokas Biografie noch für kommende Projekte mit größerer medialer Präsenz aufheben möchte.

 

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