William C. Dietz ‚Rebel Agent‘ und ‚Jedi Knight‘

dfh2Wir befinden uns mehrere Jahre nach der Schlacht um Endor im Legends-Kanon.

Nach ‚Soldier for the Empire‘ schließen diese beiden Romane die Trilogie um die Abenteuer des Rebellen und Jedi Kyle Katarn ab. Morgan Katarn – Kyles Vater – hat vor seinem gewaltsamen Tod das geheimnisvolle ‚Tal der Jedi‘ auf der Welt Ruusan entdeckt und stieß dabei auch auf eine Prophezeiung, wonach eines unbestimmten Tages ein Ritter kommen wird, eine Schlacht geschlagen wird und ‚die Gefangenen‘ freikommen werden.

Vor seinem gewaltsamen Tod hatte Morgan keine Gelegenheit mehr, seinem Sohn Kyle den genauen Standort des Tals mitzuteilen, auch weitere Informationen zum Tal sind Kyle aufgrund seiner Abwesenheit nur in Ansätzen vertraut. Keine guten Voraussetzungen, wenn man einen mystischen Ort entdecken will! Erschwerend kommt hinzu, dass Kyle auf der Suche nicht allein ist – auch der dunkle Jedi Jerec und seine Anhänger suchen nach dem Tal der Jedi. Dies ist ein Rennen, bei dem es keinen zweiten Platz geben wird, nur einer kann das Tal der Jedi entdecken und die Gefangenen befreien – oder ihre Energien zu üblen Zwecken missbrauchen.

Struktur und Handlung:

Ich finde es erzählungs- und strukturtechnisch aus mehrerern Gründen höchst seltsam, dass man aus dem Handlungsbogen um Kyle Katarn eine Trilogie gemacht hat: Einerseits, weil der erste Band der Trilogie (welcher den Diebstahl der Todesstern-Pläne thematisiert) inhaltlich in keinster Weise mit den beiden Folgebänden zusammenhängt und nur einige zentrale Figuren wie Jan Ors den Leser durch alle Bände der Trilogie begleiten – andererseits, weil Dietz geradezu himmelschreiend wenig inhaltlich zu erzählen hat.

Der zweite Band besteht meiner Wahrnehmung nach nicht aus eigenem Recht, sondern thematisiert als Füllmaterial und Übergang zum dritten Band nur nebensächliche und uninteressante Sequenzen, die der Leser überhaupt nicht braucht. Im Gegenteil, die Sequenzen strecken die  – ohnehin schon nicht sehr reichhaltige – Handlung unnötig und bringen weder die Figuren, noch die Suche nennenswert voran. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte: Wenn man den zweiten Teil streichen und gleichzeitig die Anfangssequenz des dritten Bandes leicht anpassen würde, täte dies der Handlung in Bezug auf ihre Funktionsfähigkeit keinen Abbruch. Im Gegenteil, durch die gekürzte sonst so zähe und öde Suchhandlung, welche bis auf die letzten ca. dreiß
ig Seiten die ganze Handlung der beiden Bände dominiert, hätte man die Chance, die Figuren mit mehr Leben zu erfüllen und das, was man erzählen will, kondensiert und spannend zu erzählen.

Band drei setzt an diese Tradition an. Wirklich gefesselt hat mich nach der geradezu traurig öden und einseitigen Suche nur die Schlusspassage im Tal der Jedi, nur dort habe ich die ‚Magie‘ gefühlt, welche Star Wars für mich enthalten muss, um wirklich Star Wars zu sein: Hier gab es Flashbacks, Kontexte, Verbindungen, Tiefe und auch Motive, die – z.B. im Falle des Jedi Hoth und der Gedankenbombe – später von Drew Karpyshyn in seiner Darth-Bane-Trilogie aufgegriffen wurden.

Figuren:images

Das nächste Problem der beiden Bände: Die Figuren. Platt, eindimensional und langweilig sind gar keine Ausdrücke für das, was uns da durch die Seiten führt. Kyle Katarn und Jan Ors spielen irgendwie ihre Rolle als Suchende und Reisende, funktionieren als Charaktere aber überhaupt nicht aus eigenem Recht. Sie werden getrieben, gestoßen und geschubst – aber man erfährt nichts über ihr Innenleben. Auch die Tatsache, dass seit ‚Soldier for the Empire‘ Jahre vergangen sind, welche  für sowohl Kyle als auch Jan Ors aufgrund ihrer Jugend formativ gewesen sein müssen, wird erklärungslos unter den Teppich gekehrt; die Figuren stehen noch am selben Fleck wie kurz vor der Schlacht von Yavin – insbesonders die Beziehung zwischen Jan und Kyle wird so leer dargestellt, an den Rand getrieben und mit einer solchen Rat- und Hilflosigkeit erzählt, dass es mir beim Lesen regelrecht wehgetan hat, eine Allianz, Freundschaft und später Liebe so hingeklatscht zu bekommen.

Auch die Gegner werden so dargestellt. Boc, Jerec, Yun – sie kommen alle vor, aber ohne Kontexte und auch ohne Zweck. Jerec als Gegner hätte völlig gereicht, die anderen Imperialen bringen weder die Handlung voran, noch unterstützen sie die Figurendarstellung des Buchs in irgendeiner Weise.

Ich habe das den Romanen zugrundeliegende Spiel ‚Dark Forces‘ nie gespielt, aber ich hoffe sehr, dass die Figuren dort etwas spannender und dreidimensionaler erzählt werden. Was treibt die beiden an? Wie sind sie zu dem geworden, was sie sind? Was wünschen sie sich? Was ist in den Jahren seit Danuta geschehen? All diese zentralen Fragen bleiben ebenfalls auf der Strecke.

Bemerkenswert…

finde ich bei den Büchern weder Handlung, noch Figuren. Allerdings verfügen beide Bände über eine recht große Auswahl an Illustrationen der Künstler Ezra Tucker und Dave Dorman, die mit einer solchen Liebe und Farbenfrohheit gezeichnet sind, dass sie einen regelrechten Schwarz-Weiß-Kontrast zu dem darstellen, was sie illustrativ begleiten. Man wünscht sich beim Lesen fast weitere Bücher, welche mit dieser Art Zeichnungen ausgestattet sind – für mich waren diese Zeichnungen in großen Teilen des Buches das einzige, was mich weiterlesen ließ und mich wirklich gefesselt hat. Die beiden Künstler haben tolle Arbeit geleistet – und dies sollte zu Abschluss einer Rezension als Kontrast zum geschriebenen Inhalt des Buches honoriert und hervorgehoben werden.

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