Martha Wells: Razor’s Edge

razors_edgePiraten, Rebellen, Prinzessinnen, Schmuggler – in “Razor’s Edge“ führt Martha Wells ihre Leser im ersten Band der Reihe ‚Empire and Rebellion‘ in die Wirren des Galaktischen Bürgerkriegs. Das Imperium – soviel kann man schon vorab sagen – spielt in diesem Roman allerdings nur eine sehr untergeordnete Reihe im Verhältnis zur Allianz: Schauplatz ist der Galaktische Bürgerkrieg und seine Stimmung, nicht aber der Kampf Imperium gegen Rebellen. Inhaltlich allerdings treffen Leia, Han und einige andere Rebellen bei einer Mission nicht auf Imperiale, sondern auf Piraten – Leias Schock ist groß als sie begreift, dass es sich bei den Piraten nicht eine zusammengewürfelte Gruppe aus Abschaum und Verkommenheit handelt. Die Piraten entstammen ihrer vernichteten Heimatwelt Alderaan und plündern und rauben ums nackte Überleben. Hin und hergerissen zwischen Abscheu und Mitleid entschließt sich Leia dazu, ihren Untertanen zu helfen.

Inhaltliches und Thema ‚Alderaan‘

Meine Hoffnung – und ich denke auch die vieler anderer Leser – bestand darin, dass dieser Roman endlich das überfällige Thema ‚Leia trauert um Alderaan‘ aufgreift und dies in einem persönlichen Roman mit Fokus auf Leia verarbeitet: Was fühlt Leia? Was fühlt das alderaanische Volk? Wie spendet man sich Trost? Was wird aus den überlebenden Alderaanern? Martha Wells bietet sich selbst die wundervolle Gelegenheit, Prinzessin Leia mit den Überbleibseln ihres Volks zusammenzuführen und gemeinsam die erlebten Traumata zu verarbeiten – die Prinzessin somit gleichermaßen als Trostspenderin und Trostempfängerin in den Armen ihres Volkes. Dies wäre nicht nur für die Figuren des Romans, sondern auch für uns als Leser ein glänzendes Thema, wird das Thema ‚Trauer um Alderaan‘ unter den Romanen der Legends-Kontinuität doch nur in einem Band der Rebel-Force-Reihe behandelt und auch vom neuen Romankanon bislang explizit nicht angesprochen.

Ursprünglich wurde die als Trilogie angekündigte Reihe “Empire and Rebellion“ so promotet, dass sich jeder der drei Romane auf einen der Großen Drei schwerpunktmäßig konzentriert und dessen zentrale Probleme im Zuge des galaktischen Bürgerkriegs unter die Lupe nimmt – was in Leias Fall so knapp nach dem Verlust ihrer Heimatwelt selbstredend dieses Trauma wäre.

Zu meiner allergrößten Enttäuschung ist genau dies in ‚Razor’s Edge‘ nicht der Fall. Gewiss, die Piraten stammen von Alderaan und Leias Bestürzung, dass ihr sonst so diplomatisches und friedfertiges Volk der Piraterie verfällt, wird kurz erwähnt – doch viel mehr kommt zu dem Thema im restlichen Buch leider nicht herüber. Stattdessen verkommt der Roman schon nach wenigen Seiten zu einem total unkreativen, langweiligen und völlig unnötigen Roman über den Galaktischen Bürgerkrieg, der dem Leser absolut keinen Mehrwert bietet – alle Elemente wurden bereits in anderen Romanen besprochen oder sind so belanglos, dass es fast zum Himmel schreit. “Razor’s Edge“ bietet eine völlig langweilige Mission im Galaktischen Bürgerkrieg, die kein Mensch jemals gebraucht hätte. Die Verwendung der Piraten im Roman ist s
ogar so unwesentlich gelöst, dass Alderaan als ihre Heimatwelt in diesem Zusammenhang gar keine Bedeutung hat,  im Grunde genommen hätten die Piraten auch von jedem anderen Planeten kommen können – der Roman hätte damit traurigerweise nicht besser funktioniert und auch keinen Deut seiner nichtvorhandenen Spannung eingebüßt.

Figuren:

Nicht nur die neu eingeführten Piraten sind so eindimensional, charakterlich beliebig und langweilig, dass es beim Lesen geradezu weh tut – auch die Großen Drei kommen auch nicht besser weg. Wenn der Leser bei der Lektüre des Romans nicht wüsste, dass es sich bei den beiden Protagonisten um Leia und Han handelt, hätten es auch alle möglichen anderen Figuren sein können – was an und für sich so schon bitter ist, aber doppelt traurig in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um einen Roman handelt, der Leia und Han im Vordergrund haben soll und Leias Trauer um Alderaan behandeln könnte.

Es tauchen immer wieder neue Piratennamen im Roman auch, aber die Pfannkuchenplätte ihrer Darstellung lässt den Leser vergessen, wer nochmals genau wer ist. Im Grunde genommen ist es auch egal – denn die Piraten sind nur Typen und keine Figuren, sie sollen Rollen erfüllen, schaffen es aber aufgrund ihrer Plätte und Ödnis nicht einmal, diese Rollen auszufüllen und das Buch nebenfigürlich abzurunden. Man merkt an keiner Stelle, was diese Piraten alderaanisch macht – was nicht nur im Zusammenhang von Leias Biografie öde ist, sondern auch die Piraten als Figuren total entwertet.

Irgendwann in der Mitte des Buchs taucht schließlich noch Luke Skywalker auf – man hat als Leser allerdings total das Gefühl, dass dies nur geschieht, um auch den letzten der Großen Drei noch in die Handlung mit einzubauen.

Fazit:

Wer mit einem spannenden, persönlichen Leia-Roman gerechnet hat, liegt hier komplett falsch. Schon die Plätte der Figuren und die Belanglosigkeit der Handlung ersticken jeden Lesespaß im Keim – wobei insbesonders die gestaltlosen Piraten und die wenig ausgeführte Leia dazu führen, dass der Roman exakt in der Hinsicht komplett versagt, die sich die meisten Leser gewünscht hätten: Einen persönlichen Roman zu Leias Trauer um Alderaan und die letzten Reste versprengter Alderaaner, die in einer im Krieg versinkenden Galaxis heimatlos um ihr Leben kämpfen.

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