Drew Karpyshyn: Revan

swtorrevanlegendsEhe die Rezension beginnt, soll gesagt sein, dass ich alle anderen TOR-Romane gelesen, aber das Spiel selbst nie gespielt habe. Dieser Umstand ist für die nachfolgende Rezension wesentlich, da Karpyshyns ‚Revan‘ schon von Anfang an Kenntnisse des Spiels voraussetzt und man als Leser schon auf den ersten Seiten der Lektüre bemerkt, dass der Roman für Kenner und Liebhaber des Spiels konzipiert ist und nicht für Leser wie mich, denen das Spiel ‚The Old Republic‘ gänzlich unbekannt ist. Eigentlich eine voll-kommen gerechtfertigte Konzeption, wenn man sich vergegen-wärtigt, welche Zielgruppe zum Roman greifen dürfte. Wohl fast ausschließlich TOR-Fans.

Ich habe in den letzten Tagen länger darüber nachgedacht, ob eine Rezension des Romans in meiner Situation überhaupt Sinn ergibt: Ist es adäquat, wenn ich als Nicht-Kenner des Vorlagenspiels über einen darauf fußenden Roman schreibe? Kann ich dem Roman – und daher letztlich auch meinen eigenen Lesern – so überhaupt gerecht werden? Nach reiflicher Überlegung, habe ich mich nun dafür entschieden, die Rezension zu verfassen – unter der Bedingung, dass ich mich um eine umfassende Wahrnehmung des Romans bemühe. Im Folgenden werde ich daher versuchen, beide Seiten der Medaille darzulegen – zum Einen meine eigene Wahrnehmung des Romans als TOR-Laie und zum Anderen eine mögliche Wahrnehmung des Romans durch die Augen eines TOR-Kenners. Ich hoffe, so beiden Zielgruppen – TOR-Kennern ebenso wie TOR-Nichtkennern – bei der individuellen Entscheidung helfen zu können: Möchte ich diesen Roman lesen oder nicht?

Figuren

Beginnen wir mit dem Aspekt des Buches, der mir persönlich am meisten zugesagt hat: Die Figuren, welche Drew Karpyshyn zeichnet, sind – wie schon in Annihilation und der Darth-Bane-Trilogie – höchst plastisch ausgearbeitet, glaubhaft und authentisch. Man lebt als Leser – ob TOR-Kenner oder nicht – mit den Figuren; selbst ich, der ich zuvor nie ein Buch über Revan, Canderous Ordo, Scourge, den Imperator oder Bastila gelesen hatte, fand sofort Zugang zu den neuen Figuren. Auch wenn Cover, Klappentext und Titel bereits einen Megafokus auf Revan eindeutig festlegen, war ich überrascht davon, wie sehr dieser Roman von seinen Figuren lebt und wie sehr man auch als Leser mit den Figuren des Romans lebt.

Meines Erachtens lässt sich dies in erster Linie auf die Karpyshyn eigene, großartige Art und Weise zurückführen, seinen Figuren Menschlichkeit und Lebensnähe einzuhauchen: Dies kenne und schätze ich bereits aus ‚Annihilation‘ und der ‚Darth-Bane-Trilogie‘ und habe es in ‚Revan‘ nicht vermisst. Die wesentlichen Figuren des Romans sind nicht auf ihre Rolle und die damit verbundenen Charakteristika beschränkt, sondern wachsen dem Leser durch darüber hinausgehende Elemente wie gedankliche Schilderungen, Schwächen, Prägungen, Macken und Haltungen ans Herz.

Eine ganz besondere Rolle haben hierbei die Vergangenheitsschilderungen inne, welche Karpyshyn von Zeit zu Zeit auf zwei verschiedene Weisen in seinen Roman einfließen lässt: Die Flashbacks, welche er in erster Linie (aber nicht ausschließlich) aus Revans Sicht erzählt, waren sowohl leser- als auch -figurennah geschrieben und haben mich daher vollauf überzeugt; ich würde sie zu meinen Highlights des Romans zählen. Problematischer sehe ich Karpyshyns gelegentliche Einstreuungen inhaltlicher Hintergrundinformationen, die in Form kurzer Zusammenfassungen thematisiert werden. Ich bin mir sicher, dass TOR-Kenner die kurzen Zusammenfassungen gutheißen, um ihr Vorwissen neu zu aktivieren und sich bereits bekannte Sachverhalte erneut vor Augen zu führen – für mich als Neuleser war es meist schwer, allen Namen und Ereignissen zu schildern, welche Karpyshyn auf diese Weise schildert. Figuren und Ereignisse, welche außerhalb dieser Zusammenfassungen nicht existieren, verschwimmen rasch miteinander und werden für den Leser undurchsichtig.

Handlung

Dies ist wohl auch der Grund, weswegen ich bei der Lektüre des Romans insbesonders an den Figuren meine Freude hatte und die Handlung teilweise in den Hintergrund meiner Gedanken drängte: Mit den Figuren konnte ich mich identifizieren, mit der Handlung – die ganz wesentlich auf bereits vergangenen Elementen fußt – deutlich weniger.

Ich glaube, dass gerade hier die Diskrepanz zwischen TOR-Kennern und TOR-Nichtkennern sehr groß ist: TOR-Kenner leben sich rasch in die Handlung ein und spinnen sie auf Basis ihres Vorwissens weiter, TOR-Neulinge wie ich finden nicht richtig in die Handlung hinein. Gewiss, man versteht die grobe Handlung des Romans ohne Probleme, aber die Tragweite gewisser Ereignisse, Empfindungen oder Handlungen habe ich nicht in der Intensität begriffen und gefühlt, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich will Karpyshyn hier keinen Strick drehen: Es ist ganz klar, dass der Roman in erster Linie für TOR-Kenner verfasst wurde – aber ich will diesen Umstand eingedenk meiner Leser, die TOR ebenso wenig wie ich kennen, nicht verschweigen.

Ich finde es schwer, zu beurteilen, ob TOR-Kenner Freude an der Handlung hätten. Einerseits, weil ich selbst das Spiel nicht kenne und dementsprechend nicht sicher weiß, wie abgeschlossen die im Spiel thematisierte Handlung um Revan ist – andererseits, weil ich glaube, dass die Handlung, welche uns vorliegt, die Leserschaft spalten dürfte: Entweder man empfindet das, was geschieht, als völlig unnötig und aufgepfropft, oder aber man genießt die Handlung als unerwartete, aber spannende Fortsetzung einer Geschichte. Schwer zu sagen. Recht sicher bin ich mir darin, dass es hier nur schwarze und weiße Antworten aber kaum Grautöne geben dürfte.

Ende (selbstverständlich spoilerfrei)

Das Ende – also die letzten 50 Seiten des Romans – waren die Handlungsphasen, welche mich am meisten gefesselt und bewegt haben; es war recht schwer für mich, das Buch beiseite zu legen. Ich will nichts über die Art und Weise sagen, wie der Roman endet – aber ich kann, denke ich, ohne schlechtes Gewissen verraten, dass es ein sehr emotionales und spektakuläres Ende ist, das alle fesseln dürfte. Ob es euch gefällt, ist eine andere Frage.

Fazit:

Gemischte Gefühle: Sehr spannende Figuren einerseits, eine mir zu wenig kontextualisierte Handlung andererseits. Für TOR-Fans mit Sicherheit sehr zu empfehlen, für TOR-Nichtkenner nur beschränkt zu empfehlen.

 

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